HOAI
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure — regelt die Vergütung von Planungsleistungen in Deutschland.
Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) ist eine deutsche Verordnung, die die Berechnung von Honoraren für Planungsleistungen regelt. Sie ordnet Leistungen in Leistungsbilder und Leistungsphasen (LP 1–9) und bestimmt das Honorar anhand der anrechenbaren Kosten, des Honorarsatzes und einer Honorartafel. Aktuelle Fassung: HOAI 2021.
Leistungsphasen (LP 1–9)
Die neun Phasen eines Planungsauftrags nach HOAI, von der Grundlagenermittlung bis zur Objektbetreuung.
Die Leistungsphasen gliedern einen Planungsauftrag nach HOAI in neun Schritte: LP 1 Grundlagenermittlung, LP 2 Vorplanung, LP 3 Entwurfsplanung, LP 4 Genehmigungsplanung, LP 5 Ausführungsplanung, LP 6 Vorbereitung der Vergabe, LP 7 Mitwirkung bei der Vergabe, LP 8 Objektüberwachung (Bauüberwachung), LP 9 Objektbetreuung. Jeder Phase ist ein Prozentsatz des Gesamthonorars zugeordnet.
§-13-Interpolation
Verfahren zur Honorarberechnung zwischen den Stützpunkten der HOAI-Honorartafel.
Die Honorartafeln der HOAI nennen Honorare nur für bestimmte Kosten-Stützpunkte. Liegen die anrechenbaren Kosten dazwischen, wird das Honorar linear interpoliert (§ 13 HOAI). Structify führt diese Interpolation automatisch und nachvollziehbar aus.
VOB
Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen — Regelwerk für die Vergabe und Abwicklung von Bauaufträgen.
Die VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) besteht aus drei Teilen: VOB/A (Vergabe), VOB/B (Vertragsabwicklung, u. a. Nachträge und Abnahme) und VOB/C (Allgemeine Technische Vertragsbedingungen). Sie ist in Deutschland Grundlage vieler Bauverträge, besonders bei öffentlichen Auftraggebern.
GAEB
Standardisiertes Datenaustauschformat für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung im Bauwesen.
GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) definiert ein XML-Austauschformat für Leistungsverzeichnisse und Angebote. Die Dateiphasen reichen von .X81 (Leistungsverzeichnis) über .X83 (Angebotsaufforderung) bis .X84 (Angebot). Structify importiert und exportiert GAEB-XML sauber im Standardformat.
AVA
Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Bauleistungen.
AVA steht für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung — die drei Schritte, mit denen Bauleistungen beschrieben, an Bieter vergeben und nach Ausführung abgerechnet werden. Kern ist das Leistungsverzeichnis; der Angebotsvergleich erfolgt über den Preisspiegel.
Leistungsverzeichnis (LV)
Strukturierte Auflistung aller auszuschreibenden Bauleistungen mit Mengen und Beschreibungen.
Ein Leistungsverzeichnis (LV) beschreibt die zu erbringenden Bauleistungen in einzelnen Positionen mit Menge, Einheit und Leistungstext. Es ist Grundlage der Ausschreibung und des späteren Angebotsvergleichs. LVs werden meist als GAEB-Datei ausgetauscht.
Preisspiegel
Tabellarischer Vergleich mehrerer Angebote je Position zur Vergabeentscheidung.
Ein Preisspiegel stellt die Angebote mehrerer Bieter Position für Position gegenüber. Er macht Preisunterschiede, Ausreißer und Lücken sichtbar und dient als Grundlage der dokumentierten Vergabeempfehlung.
Begehung
Systematische Vor-Ort-Kontrolle eines Bauvorhabens.
Eine Begehung ist die planmäßige Besichtigung einer Baustelle, um Fortschritt, Mängel und offene Punkte festzustellen und zu dokumentieren. Ergebnis ist ein Begehungsprotokoll. Structify erzeugt dieses Protokoll aus Sprache, Foto und Notiz. Aufnehmen können Sie auch ohne Verbindung; die Auswertung folgt nach der Synchronisierung.
Bautagebuch
Fortlaufender Nachweis des täglichen Baugeschehens.
Ein Bautagebuch dokumentiert arbeitstäglich Baufortschritt, Wetter, eingesetztes Personal und Gerät sowie besondere Vorkommnisse. Es dient als Nachweis, etwa bei Nachträgen oder Streitfällen, und sollte lückenlos und prüffähig geführt werden.
Mangel & Mängelrüge
Abweichung der Leistung vom vertraglich geschuldeten Zustand — und deren formelle Anzeige.
Ein Mangel liegt vor, wenn eine Bauleistung von der vereinbarten oder üblichen Beschaffenheit abweicht. Mit der Mängelrüge zeigt der Auftraggeber den Mangel an und setzt eine Frist zur Beseitigung. Structify erkennt Mängel auf Fotos, verortet sie auf dem Plan und verfolgt Fristen bis in die Gewährleistung.
Nachtrag
Zusätzliche oder geänderte Leistung gegenüber dem ursprünglichen Bauvertrag.
Ein Nachtrag entsteht, wenn während der Bauausführung Leistungen hinzukommen oder sich ändern. Die Vergütung wird bei VOB-Verträgen nach VOB/B § 2 ermittelt. Nachträge sollten früh erkannt, nachvollziehbar kalkuliert und formsicher geschrieben werden.
Abnahme
Rechtsgeschäftliche Billigung der Bauleistung als im Wesentlichen vertragsgemäß.
Mit der Abnahme erklärt der Auftraggeber, dass die Bauleistung im Wesentlichen vertragsgemäß erbracht ist. Sie ist zentral: Sie löst u. a. den Beginn der Gewährleistungsfrist, die Fälligkeit der Schlusszahlung und den Übergang der Beweislast aus.
Gewährleistung
Einstandspflicht für Mängel nach der Abnahme innerhalb der Verjährungsfrist.
In der Gewährleistung haftet der Auftragnehmer für Mängel, die nach der Abnahme auftreten oder sich zeigen. Die Verjährungsfristen unterscheiden sich je nach Vertrag (BGB oder VOB/B). Eine lückenlose Dokumentation stützt Ansprüche im Streitfall.
Revisionssicherheit
Unveränderbare, nachvollziehbare und vollständige Aufbewahrung von Dokumenten.
Revisionssicherheit bedeutet, dass Dokumente so gespeichert werden, dass sie vollständig, unveränderbar, nachvollziehbar und wiederauffindbar sind. Für steuerrelevante Unterlagen konkretisieren die GoBD diese Anforderungen. Structify Operate sperrt Betriebseinträge nach der Freigabe; das Wartungsprotokoll lässt sich nicht nachträglich bearbeiten.
GoBD
Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern und Unterlagen in elektronischer Form.
Die GoBD sind Verwaltungsvorschriften der Finanzverwaltung zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung steuerrelevanter elektronischer Aufzeichnungen und Dokumente. Sie fordern u. a. Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit und Vollständigkeit.
Digitale Baudokumentation
Durchgängige digitale Erfassung, Strukturierung und Ablage aller Bauprozess-Nachweise.
Digitale Baudokumentation bezeichnet die medienbruchfreie Erfassung und strukturierte Ablage aller Nachweise entlang des Bauprozesses — von der Begehung über Mängel und Bautagebuch bis zur Abnahme. Ziel sind prüffähige, wiederauffindbare Dokumente statt verstreuter Notizen und Fotos.
Anrechenbare Kosten
Teil der Baukosten, der nach § 4 HOAI die Grundlage für die Berechnung des Planungshonorars bildet.
Anrechenbare Kosten sind der Teil der Kosten für Herstellung, Umbau, Modernisierung, Instandhaltung oder Instandsetzung eines Objekts, der in die Honorarberechnung eingeht; die Umsatzsteuer gehört nicht dazu (§ 4 Abs. 1 und 2 HOAI 2021). Ermittelt werden sie nach den Kostengruppen der DIN 276 (für die HOAI maßgeblich: DIN 276-1:2008-12, § 4 Abs. 1 Satz 3 HOAI), bei Gebäuden nach § 33 HOAI im Wesentlichen aus den Kosten der Baukonstruktionen (Kostengruppe 300) und, teilweise anrechenbar, der Technischen Anlagen (Kostengruppe 400). Maßgeblich ist die Kostenberechnung, ersatzweise die Kostenschätzung (§ 6 Abs. 1 HOAI). Structify berechnet aus den anrechenbaren Kosten das HOAI-Honorar mit Interpolation nach § 13.
Honorarzone
Einstufung eines Objekts nach seinen Planungsanforderungen in die Honorarzonen I bis V gemäß § 5 HOAI.
Honorarzonen ordnen Objekte nach ihrem Schwierigkeitsgrad ein (§ 5 HOAI 2021): bei Gebäuden von Honorarzone I für sehr geringe bis Honorarzone V für sehr hohe Planungsanforderungen (§ 35 Abs. 1 HOAI); für die Technische Ausrüstung gibt es nur die Zonen I bis III (§ 56 HOAI). Die Zuordnung erfolgt über die Objektlisten der HOAI oder über Bewertungsmerkmale, die mit Punkten bewertet werden (für Gebäude § 35 HOAI). Bei gleichen anrechenbaren Kosten steigt das Honorar mit der Honorarzone, weil jede Zone eine eigene Spanne in der Honorartafel hat. Im HOAI-Rechner von Structify wird die Honorarzone gewählt und das Honorar aus der zugehörigen Tafelspanne nach § 13 interpoliert.
Honorarsatz (Basishonorarsatz, oberer Honorarsatz)
Wert innerhalb der Spanne der HOAI-Honorartafel zwischen Basishonorarsatz und oberem Honorarsatz (§ 2a HOAI).
Die Honorartafeln der HOAI nennen je Honorarzone und Kostenstufe eine Spanne vom Basishonorarsatz (unterer Wert) bis zum oberen Honorarsatz (§ 2a HOAI 2021). Seit der HOAI 2021 dienen diese Werte nur noch der Honorarorientierung: Nach dem Urteil des EuGH vom 4. Juli 2019 (C-377/17) sind Mindest- und Höchstsätze nicht mehr verbindlich, das Honorar kann frei vereinbart werden. Fehlt eine Honorarvereinbarung in Textform, gilt für Grundleistungen der Basishonorarsatz als vereinbart (§ 7 Abs. 1 HOAI). Structify berechnet das Honorar für den gewählten Honorarsatz mit Interpolation nach § 13 HOAI.
Besondere Leistungen
Planungsleistungen, die über die Grundleistungen eines Leistungsbilds hinausgehen und eigens vereinbart werden (§ 3 Abs. 3 HOAI).
Grundleistungen sind die Leistungen, die zur ordnungsgemäßen Erfüllung eines Planungsauftrags im Allgemeinen erforderlich sind; Besondere Leistungen kommen hinzu und müssen eigens vereinbart werden (§ 3 Abs. 2 und 3 HOAI 2021). Die Anlagen der HOAI zählen sie je Leistungsphase beispielhaft auf, etwa Bestandsaufnahme (LP 1), Wirtschaftlichkeitsberechnung (LP 3) oder das Aufstellen eines Zahlungsplans (LP 8) in Anlage 10 für Gebäude; die Aufzählung ist nicht abschließend. Ihr Honorar wird frei vereinbart und nicht aus der Honorartafel abgeleitet (§ 3 Abs. 3 HOAI).
Leistungsbild
Fachlicher Planungsbereich der HOAI, dessen Grundleistungen in Leistungsphasen gegliedert sind (§ 3 Abs. 2 HOAI).
Ein Leistungsbild fasst die Grundleistungen eines Planungsbereichs zusammen und gliedert sie in Leistungsphasen (§ 3 Abs. 2 HOAI 2021). Neben der Flächenplanung (Teil 2) regelt die HOAI in der Objektplanung die Leistungsbilder Gebäude und Innenräume (§ 34, Anlage 10), Freianlagen (§ 39, Anlage 11), Ingenieurbauwerke (§ 43, Anlage 12) und Verkehrsanlagen (§ 47, Anlage 13), in der Fachplanung Tragwerksplanung (§ 51, Anlage 14) und Technische Ausrüstung (§ 55, Anlage 15). Jedes Leistungsbild hat eigene Honorartafeln, Honorarzonen und Prozentsätze je Leistungsphase; bei Gebäuden entfallen z. B. 25 % auf die Ausführungsplanung (LP 5) und 32 % auf die Objektüberwachung (LP 8) (§ 34 Abs. 3 HOAI). Structify berechnet Honorare nach HOAI 2021 für diese Leistungsbilder der Objekt- und Fachplanung.
Honorarvereinbarung
Vereinbarung der Vertragsparteien über das Planungshonorar, nach § 7 Abs. 1 HOAI in Textform zu treffen.
Das Honorar für Planungsleistungen richtet sich nach der Vereinbarung, die Auftraggeber und Auftragnehmer in Textform (§ 126b BGB) treffen; fehlt sie, gilt für Grundleistungen der Basishonorarsatz als vereinbart (§ 7 Abs. 1 HOAI 2021). Anders als nach der HOAI 2013 muss die Vereinbarung nicht mehr bei Auftragserteilung geschlossen werden und ist nicht an Mindest- oder Höchstsätze gebunden. Gegenüber Verbrauchern muss der Auftragnehmer vor Vertragsschluss in Textform darauf hinweisen, dass ein höheres oder niedrigeres Honorar als die Tafelwerte vereinbart werden kann; unterbleibt der Hinweis, gilt höchstens der Basishonorarsatz (§ 7 Abs. 2 HOAI). Üblicher Inhalt sind Leistungsbild, beauftragte Leistungsphasen, Honorarzone, Honorarsatz, anrechenbare Kosten und etwaige Besondere Leistungen.
Aufmaß
Ermittlung der tatsächlich ausgeführten Mengen einer Bauleistung als Grundlage ihrer Abrechnung.
Das Aufmaß ermittelt die tatsächlich ausgeführten Mengen einer Bauleistung durch Messen vor Ort oder aus Zeichnungen; beim Einheitspreisvertrag ist es die Grundlage der Abrechnung. Nach § 14 Abs. 2 VOB/B sind die für die Abrechnung notwendigen Feststellungen dem Fortgang der Leistung entsprechend möglichst gemeinsam vorzunehmen (gemeinsames Aufmaß); für Leistungen, die bei Weiterführung der Arbeiten nur schwer feststellbar sind, hat der Auftragnehmer rechtzeitig gemeinsame Feststellungen zu beantragen. Die Abrechnungsregeln der einzelnen Gewerke, etwa zu Übermessung und Abzügen, enthalten die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen der VOB/C (DIN 18299 ff., Abschnitt 5). Ein von beiden Seiten unterzeichnetes Aufmaß erleichtert den Mengennachweis in der Schlussrechnung und im Streitfall.
Abschlagsrechnung
Rechnung über bereits erbrachte Teilleistungen während der Bauausführung, vor der Schlussrechnung.
Mit einer Abschlagsrechnung verlangt der Auftragnehmer während der Bauausführung eine Abschlagszahlung in Höhe des Wertes der bis dahin nachgewiesenen vertragsgemäßen Leistungen. Nach § 16 Abs. 1 Nummer 1 VOB/B sind Abschlagszahlungen auf Antrag in möglichst kurzen Zeitabständen oder zu den vereinbarten Zeitpunkten zu gewähren; die Leistungen sind durch eine prüfbare Aufstellung nachzuweisen, und der Anspruch wird binnen 21 Tagen nach Zugang der Aufstellung fällig (§ 16 Abs. 1 Nr. 3 VOB/B). Beim BGB-Bauvertrag folgt der Anspruch aus § 632a BGB. Abschlagszahlungen sind vorläufig: Sie gelten nicht als Abnahme von Teilen der Leistung (§ 16 Abs. 1 Nr. 4 VOB/B) und werden in der Schlussrechnung abgerechnet.
Schlussrechnung
Abschließende, prüfbare Abrechnung aller erbrachten Bauleistungen nach Fertigstellung.
Die Schlussrechnung rechnet nach Fertigstellung alle Leistungen des Bauvertrags abschließend ab; geleistete Abschlagszahlungen werden darin abgesetzt. Nach § 14 Abs. 1 VOB/B ist sie prüfbar aufzustellen: übersichtlich, in der Reihenfolge der Positionen und mit den Bezeichnungen des Vertrags, mit den erforderlichen Mengenberechnungen, Zeichnungen und sonstigen Belegen; Änderungen und Ergänzungen des Vertrags sind besonders kenntlich zu machen. Soweit nichts anderes vereinbart ist, ist sie bei Ausführungsfristen bis drei Monate spätestens 12 Werktage nach Fertigstellung einzureichen; je weitere drei Monate verlängert sich die Frist um 6 Werktage (§ 14 Abs. 3 VOB/B). Die Schlusszahlung wird nach der Abnahme spätestens 30 Tage nach Zugang der Schlussrechnung fällig (§ 16 Abs. 3 Nummer 1 VOB/B; bei ausdrücklicher Vereinbarung höchstens 60 Tage); beim BGB-Bauvertrag setzt die Fälligkeit der Vergütung Abnahme und prüffähige Schlussrechnung voraus (§ 650g Abs. 4 BGB).
Bedarfsposition (Eventualposition)
Position im Leistungsverzeichnis, deren Ausführung bei der Ausschreibung noch offen ist und erst später abgerufen wird.
Eine Bedarfsposition (auch Eventualposition) beschreibt eine Leistung, von der bei der Ausschreibung noch nicht feststeht, ob sie ausgeführt wird; der Bieter gibt dafür einen Einheitspreis ab, der Auftraggeber entscheidet erst während der Ausführung über den Abruf. Nach § 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A dürfen öffentliche Auftraggeber Bedarfspositionen grundsätzlich nicht in die Leistungsbeschreibung aufnehmen, weil sie die Kalkulation erschweren und den Angebotsvergleich verzerren können; zulässig sind sie nur in begründeten Ausnahmefällen, etwa für nicht sicher absehbare Zusatzleistungen. Im Unterschied zur Alternativposition ersetzt die Bedarfsposition keine Grundposition, sondern tritt bei Abruf hinzu.
Vergabevermerk
Dokumentation eines Vergabeverfahrens in Textform mit allen Stufen, Feststellungen und Entscheidungsgründen.
Der Vergabevermerk dokumentiert ein Vergabeverfahren so, dass die einzelnen Stufen, die getroffenen Maßnahmen, die maßgebenden Feststellungen und die Begründung jeder Entscheidung nachvollziehbar sind. Nach § 20 Abs. 1 VOB/A ist das Verfahren zeitnah in Textform zu dokumentieren, mindestens mit Auftraggeber, Art und Umfang der Leistung, Auftragswert, den berücksichtigten und nicht berücksichtigten Bietern samt Gründen, den Gründen für die Ablehnung ungewöhnlich niedriger Angebote und den Gründen für den Zuschlag; für EU-weite Vergaben gelten § 20 EU VOB/A und § 8 VgV mit entsprechenden Mindestinhalten. Bei EU-weiten Vergaben sind Dokumentation und Vergabevermerk bis zum Ende der Vertragslaufzeit, mindestens jedoch drei Jahre ab dem Tag des Zuschlags aufzubewahren (§ 8 Abs. 4 VgV); sie sind Grundlage für Nachprüfungsverfahren und Rechnungsprüfung. Der Preisspiegel in Structify stellt die Angebote Position für Position gegenüber und liefert damit eine Grundlage für den Vergabevermerk.
Stundenlohnarbeiten
Bauleistungen, die nach tatsächlich aufgewendeten Arbeitsstunden statt nach Einheits- oder Pauschalpreis vergütet werden.
Stundenlohnarbeiten werden nach dem tatsächlichen Zeitaufwand zu vereinbarten Stundensätzen vergütet, meist für kleinere Leistungen, deren Umfang sich vorab nicht sicher beschreiben lässt. Nach § 2 Abs. 10 VOB/B werden sie nur vergütet, wenn sie vor Beginn ausdrücklich als Stundenlohnarbeiten vereinbart wurden; ihre Ausführung ist dem Auftraggeber vor Beginn anzuzeigen (§ 15 Abs. 3 VOB/B). Über die geleisteten Stunden sowie Stoffe, Geräte und Sonderkosten sind werktäglich oder wöchentlich Stundenlohnzettel einzureichen; der Auftraggeber hat sie bescheinigt innerhalb von 6 Werktagen nach Zugang zurückzugeben, sonst gelten sie als anerkannt (§ 15 Abs. 3 VOB/B). Stundenlohnrechnungen sind alsbald nach Abschluss der Arbeiten, längstens in Abständen von 4 Wochen einzureichen (§ 15 Abs. 4 VOB/B); in der Ausschreibung dürfen angehängte Stundenlohnarbeiten nur im unbedingt erforderlichen Umfang vorgesehen werden (§ 7 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A).
Bedenkenanzeige
Schriftliche Mitteilung des Auftragnehmers an den Auftraggeber über Bedenken gegen die vorgesehene Ausführung (§ 4 Abs. 3 VOB/B).
Hat der Auftragnehmer Bedenken gegen die vorgesehene Art der Ausführung, gegen die Güte der vom Auftraggeber gelieferten Stoffe oder Bauteile oder gegen die Leistungen anderer Unternehmer, muss er sie dem Auftraggeber nach § 4 Abs. 3 VOB/B unverzüglich – möglichst schon vor Beginn der Arbeiten – schriftlich mitteilen. Die Bedenken sind so konkret zu beschreiben, dass der Auftraggeber ihre Tragweite erkennen kann; er bleibt für seine Angaben, Anordnungen und Lieferungen verantwortlich. Erfüllt der Auftragnehmer diese Hinweispflicht, haftet er nach § 13 Abs. 3 VOB/B nicht für Mängel, die auf die Leistungsbeschreibung, auf Anordnungen des Auftraggebers, auf von ihm gelieferte oder vorgeschriebene Stoffe oder Bauteile oder auf die Vorleistung eines anderen Unternehmers zurückgehen. Beim BGB-Bauvertrag folgt eine entsprechende Prüf- und Hinweispflicht aus den vertraglichen Nebenpflichten (§ 241 Abs. 2 BGB).
Behinderungsanzeige
Unverzügliche schriftliche Anzeige des Auftragnehmers, dass er sich in der Ausführung der Leistung behindert sieht (§ 6 Abs. 1 VOB/B).
Glaubt sich der Auftragnehmer in der ordnungsgemäßen Ausführung der Leistung behindert, hat er dies dem Auftraggeber nach § 6 Abs. 1 VOB/B unverzüglich schriftlich anzuzeigen; die Anzeige soll die hindernden Umstände und ihre Auswirkungen benennen. Unterbleibt sie, werden die Umstände nur berücksichtigt, wenn dem Auftraggeber Tatsache und hindernde Wirkung offenkundig bekannt waren. Ist die Behinderung durch einen Umstand aus dem Risikobereich des Auftraggebers, durch Streik oder Aussperrung oder durch höhere Gewalt oder andere für den Auftragnehmer unabwendbare Umstände verursacht, verlängern sich die Ausführungsfristen insoweit nach § 6 Abs. 2 VOB/B; hat eine Vertragspartei die hindernden Umstände zu vertreten, schuldet sie der anderen nach § 6 Abs. 6 VOB/B Ersatz des nachweislich entstandenen Schadens, entgangenen Gewinn aber nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. In Structify lassen sich hindernde Umstände als Bautagebuch-Eintrag mit Foto festhalten.
Abnahmeprotokoll
Niederschrift über den Befund der Abnahme mit Vorbehalten wegen bekannter Mängel und Vertragsstrafen (§ 12 Abs. 4 VOB/B).
Das Abnahmeprotokoll ist die Niederschrift, in der bei der förmlichen Abnahme nach § 12 Abs. 4 VOB/B der Befund in gemeinsamer Verhandlung schriftlich festgehalten wird; jede Partei erhält eine Ausfertigung. Aufzunehmen sind Vorbehalte wegen bekannter Mängel und wegen Vertragsstrafen sowie etwaige Einwendungen des Auftragnehmers. Der Vorbehalt ist entscheidend: Ohne ihn verliert der Auftraggeber den Anspruch auf eine verwirkte Vertragsstrafe (§ 11 Abs. 4 VOB/B, § 341 Abs. 3 BGB) und nach § 640 Abs. 3 BGB die Mängelrechte aus § 634 Nummer 1 bis 3 BGB für Mängel, die er bei der Abnahme kannte. Structify stellt eine Vorlage für das Abnahmeprotokoll bereit.
Förmliche Abnahme
Abnahme in gemeinsamer Verhandlung mit schriftlicher Niederschrift; findet nach § 12 Abs. 4 VOB/B statt, wenn eine Partei es verlangt.
Bei der förmlichen Abnahme stellen Auftraggeber und Auftragnehmer den Zustand der Leistung gemeinsam fest und halten den Befund mit Vorbehalten und Einwendungen in einer Niederschrift fest; nach § 12 Abs. 4 VOB/B hat sie stattzufinden, sobald eine Vertragspartei sie verlangt, und jede Partei kann auf eigene Kosten einen Sachverständigen hinzuziehen. Sie kann in Abwesenheit des Auftragnehmers stattfinden, wenn der Termin vereinbart war oder er mit genügender Frist eingeladen wurde; das Ergebnis ist ihm dann alsbald mitzuteilen (§ 12 Abs. 4 Nr. 2 VOB/B). Verlangt keine Partei die Abnahme und ist eine förmliche Abnahme auch nicht vertraglich vereinbart, gilt die Leistung nach § 12 Abs. 5 VOB/B als abgenommen: mit Ablauf von 12 Werktagen nach schriftlicher Mitteilung über die Fertigstellung oder von 6 Werktagen nach Beginn der Benutzung. Beim BGB-Vertrag gilt das Werk nach § 640 Abs. 2 BGB als abgenommen, wenn der Unternehmer dem Besteller nach Fertigstellung eine angemessene Frist zur Abnahme gesetzt hat und der Besteller die Abnahme nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe mindestens eines Mangels verweigert; gegenüber Verbrauchern nur, wenn der Unternehmer mit der Aufforderung in Textform auf diese Folge hingewiesen hat.
Ersatzvornahme
Beseitigung eines Mangels durch den Auftraggeber oder einen Dritten auf Kosten des Auftragnehmers nach fruchtlosem Fristablauf.
Bei der Ersatzvornahme lässt der Auftraggeber einen Mangel selbst oder durch einen Dritten beseitigen und verlangt die Kosten vom Auftragnehmer. Voraussetzung ist eine angemessene Frist zur Mängelbeseitigung, die erfolglos abgelaufen ist: Nach der Abnahme regelt dies § 13 Abs. 5 Nr. 2 VOB/B, beim BGB-Werkvertrag § 637 BGB (Selbstvornahme); einen Vorschuss auf die Mängelbeseitigungskosten sieht § 637 Abs. 3 BGB ausdrücklich vor, beim VOB-Vertrag gewährt ihn die Rechtsprechung entsprechend. Vor der Abnahme verlangt § 4 Abs. 7 VOB/B eine Fristsetzung mit der Erklärung, dass dem Auftragnehmer nach fruchtlosem Ablauf der Auftrag entzogen wird (§ 8 Abs. 3 VOB/B), und erst nach der Auftragsentziehung darf der Auftraggeber den Mangel durch Dritte beseitigen lassen; diese Kündigungsregelung ist nach der Rechtsprechung des BGH (Urteil vom 19. Januar 2023, VII ZR 34/20) jedoch unwirksam, wenn die VOB/B nicht als Ganzes vereinbart ist. Structify verfolgt Mängel mit Fotos und Fristen, sodass der Fristablauf dokumentiert ist.
Sicherheitseinbehalt
Einbehalt eines Teils der Vergütung als Sicherheit für Vertragserfüllung und Mängelansprüche, in der VOB/B geregelt in § 17.
Ein Sicherheitseinbehalt ist der vertraglich vereinbarte Einbehalt eines Teils der Zahlungen, mit dem der Auftraggeber die vertragsgemäße Ausführung und die Mängelansprüche absichert (§ 17 Abs. 1 VOB/B). Nach § 17 Abs. 6 VOB/B darf jede Zahlung um höchstens 10 v. H. gekürzt werden, bis die vereinbarte Sicherheitssumme erreicht ist; der einbehaltene Betrag ist dem Auftragnehmer mitzuteilen und binnen 18 Werktagen nach dieser Mitteilung auf ein für beide Parteien eingerichtetes Sperrkonto einzuzahlen, andernfalls kann der Auftragnehmer nach fruchtloser Nachfrist die sofortige Auszahlung verlangen und braucht dann keine Sicherheit mehr zu leisten (§ 17 Abs. 6 Nr. 3 VOB/B). Der Auftragnehmer kann den Einbehalt nach § 17 Abs. 3 VOB/B durch eine andere Sicherheit ersetzen, etwa die Bürgschaft eines zugelassenen Kreditinstituts oder Kreditversicherers (§ 17 Abs. 2 VOB/B). Eine nicht verwertete Sicherheit für Mängelansprüche ist nach § 17 Abs. 8 Nr. 2 VOB/B nach Ablauf von zwei Jahren – nach überwiegender Auffassung gerechnet ab der Abnahme – zurückzugeben, sofern kein anderer Rückgabezeitpunkt vereinbart ist; soweit Ansprüche des Auftraggebers dann noch nicht erfüllt sind, darf er einen entsprechenden Teil zurückhalten.
Baubesprechungsprotokoll
Niederschrift einer Baubesprechung mit Teilnehmern, Feststellungen, Beschlüssen, Fristen und Zuständigkeiten.
Ein Baubesprechungsprotokoll hält fest, wer an einer Baubesprechung teilgenommen hat, welcher Stand festgestellt wurde und welche Aufgaben mit welcher Frist und Zuständigkeit vereinbart wurden. Das Leiten und Protokollieren der Baubesprechungen wird der Objektüberwachung (LP 8) zugerechnet; Anlage 10 HOAI (Gebäude und Innenräume) nennt dort als Grundleistungen das Koordinieren der an der Objektüberwachung fachlich Beteiligten und die Dokumentation des Bauablaufs. Vor Gericht ist das Protokoll ein Beweismittel, dessen Beweiswert das Gericht frei würdigt (§ 286 ZPO); eine Einwendungsfrist, nach deren Ablauf der Inhalt als anerkannt gilt, wirkt nur, wenn sie wirksam vereinbart wurde (in Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur in den Grenzen des § 308 Nr. 5 BGB), doch sollten Abweichungen auch sonst unverzüglich schriftlich beanstandet werden, weil Schweigen unter Unternehmern nach den Grundsätzen des kaufmännischen Bestätigungsschreibens als Zustimmung gewertet werden kann. Offene Punkte aus der Besprechung lassen sich in Structify als Tickets mit Fotos und Fristen weiterverfolgen.
Fotodokumentation
Systematische Aufnahme und Zuordnung von Fotos zur Beweissicherung von Zustand, Fortschritt und Mängeln am Bau.
Eine Fotodokumentation hält Bauzustand, Fortschritt und Mängel in Bildern fest, die mit Datum, Uhrzeit, Ort und Bezug zu Bauteil oder Leistung versehen werden, damit sie sich später zuordnen lassen und als Beweismittel verwertbar sind. Besonders wichtig ist sie für Leistungen, die durch den weiteren Bauablauf verdeckt werden; bei VOB/B-Verträgen ist deren Zustand auf Verlangen gemeinsam von Auftraggeber und Auftragnehmer festzustellen und das Ergebnis schriftlich niederzulegen (§ 4 Abs. 10 VOB/B). Sind Personen erkennbar, handelt es sich um personenbezogene Daten, deren Verarbeitung eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO braucht. Structify nimmt Fotos direkt in der Begehung auf, ordnet sie Protokoll und Mängeln zu und arbeitet auch offline.
DIN 276 (Kosten im Bauwesen)
Deutsche Norm zur Gliederung und Ermittlung der Kosten im Bauwesen; aktuelle Fassung DIN 276:2018-12.
Die DIN 276 „Kosten im Bauwesen“ gliedert die Kosten eines Bauvorhabens in die Kostengruppen 100 (Grundstück) bis 800 (Finanzierung), darunter 300 Bauwerk – Baukonstruktionen und 400 Bauwerk – Technische Anlagen. Sie definiert sechs Stufen der Kostenermittlung mit zunehmender Genauigkeit: Kostenrahmen, Kostenschätzung, Kostenberechnung, Kostenvoranschlag, Kostenanschlag und Kostenfeststellung. Die HOAI knüpft Grundleistungen daran an, etwa die Kostenschätzung in LP 2 und die Kostenberechnung in LP 3 (Anlage 10 HOAI); für die anrechenbaren Kosten ist nach § 4 Abs. 1 HOAI weiterhin die DIN 276-1:2008-12 zugrunde zu legen. Structify berechnet das HOAI-Honorar aus den anrechenbaren Kosten einschließlich der §-13-Interpolation.
Bauzeitenplan
Terminplan, der Beginn, Dauer und Abhängigkeiten der Bauabläufe als Soll festlegt und mit dem Ist fortgeschrieben wird.
Ein Bauzeitenplan stellt die Vorgänge eines Bauvorhabens mit Beginn, Dauer und Abhängigkeiten dar, meist als Balkendiagramm, und wird während der Ausführung fortgeschrieben, damit Soll und Ist vergleichbar bleiben; nach Anlage 10 HOAI gehört das Aufstellen, Fortschreiben und Überwachen eines Terminplans zur Objektüberwachung (LP 8). Bei VOB-Verträgen gelten Einzelfristen eines Bauzeitenplans nur dann als Vertragsfristen, wenn dies im Vertrag ausdrücklich vereinbart ist (§ 5 Abs. 1 VOB/B). Der fortgeschriebene Plan belegt zugleich die Folgen einer Behinderung, die der Auftragnehmer unverzüglich schriftlich anzeigen muss (§ 6 Abs. 1 VOB/B): Ausführungsfristen verlängern sich nur aus den in § 6 Abs. 2 VOB/B genannten Gründen, Mehrkosten sind als Schadensersatz (§ 6 Abs. 6 VOB/B) oder Entschädigung (§ 642 BGB) geltend zu machen, und ein Nachtrag nach § 2 Abs. 5 und 6 VOB/B setzt geänderte oder zusätzliche Leistungen voraus. In Structify halten Bautagebuch-Einträge den tatsächlichen Verlauf fest, und Nachträge werden nachvollziehbar dokumentiert.
Betriebstagebuch
Fortlaufende Aufzeichnung des Anlagenbetriebs mit Messwerten, Wartungen, Störungen und Maßnahmen als Nachweis des Betreibers.
Ein Betriebstagebuch dokumentiert fortlaufend den Betrieb einer technischen Anlage, etwa eines Fernwärmenetzes, einer Heizzentrale oder einer Lüftungs- und Kälteanlage: Messwerte und Betriebsparameter, Wartungen und Prüfungen, Störungen und deren Behebung sowie besondere Vorkommnisse. Es ist Teil der Betreiberverantwortung: Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt, Prüfergebnisse aufzuzeichnen und aufzubewahren (§ 14 Abs. 7 BetrSichV für Arbeitsmittel, § 17 Abs. 1 BetrSichV für überwachungsbedürftige Anlagen), und für einzelne Anlagentypen ist ein Betriebstagebuch ausdrücklich vorgeschrieben, etwa für Verdunstungskühlanlagen nach § 12 der 42. BImSchV mit fünfjähriger Aufbewahrung ab dem letzten Eintrag. Gegenüber Behörden, Versicherern und Auftraggebern dient es als Nachweis des ordnungsgemäßen Betriebs und der Instandhaltung. Structify Operate führt das Betriebstagebuch digital.